Jerash im Norden Jordaniens ist einer der seltenen Orte weltweit, an denen man das Konzept einer römischen Provinzstadt in ihrer Gesamtheit nachvollziehen kann. Etwa 45 Kilometer nördlich von Amman gelegen, war die antike Stadt Gerasa eines der zehn Zentren des Dekapolis-Bundes. Heute gilt sie als eine der am besten erhaltenen und ausgedehntesten römischen Siedlungen außerhalb Italiens. Dass die Stadt nach einem schweren Erdbeben im Jahr 749 n. Chr. jahrhundertelang unter Sand und Erde begraben blieb, bewahrte die Struktur der Straßen und Gebäude fast wie in einer Zeitkapsel. Dieser Guide führt Sie durch die drei architektonischen Hauptadern der Stadt: den Hadrianbogen, den Ovalen Platz und den prächtigen Cardo Maximus.
Die wichtigsten Informationen auf einen Blick
| Thema | Details |
|---|---|
| Lage | Nordjordanien, ca. 45 km nördlich von Amman |
| Römischer Beginn | 63 v. Chr., Eroberung durch Pompeius |
| Highlights | Hadrianbogen, Ovaler Platz, Cardo Maximus, zwei Theater |
| Eintrittspreis | Stand Sommer 2026: 12 JOD |
| Inklusive | Eintritt zum Archäologischen Museum von Jerash |
| Empfohlene Besuchszeit | 2 bis 3 Stunden |
Was macht die römische Architektur in Jerash so besonders?
Obwohl die Besiedlung des Gebiets über 6.500 Jahre zurückreicht, stammt der Großteil der heute sichtbaren Steinstrukturen aus der römischen Ära. Die Stadtplanung ist hier wie ein offenes Lehrbuch: gepflasterte Säßenstraßen, auf Anhöhen thronende Tempel, weitläufige Plätze, Theater, Prachtbrunnen und eine durch Türme verstärkte Stadtmauer stehen Seite an Seite.
Von Gerasa zu Jerash: Die Schichten der Geschichte
Nachdem die Stadt 63 v. Chr. unter Pompeius unter römische Herrschaft fiel, blühte sie als Teil des Dekapolis auf. Ab dem 4. Jahrhundert christianisierte sich die Bevölkerung, und viele römische Bauten erhielten neue Funktionen. So lassen sich griechische, römische, byzantinische und frühislamische Epochen an einem Ort überlagern.
Das Erdbeben von 749 und die Wiederentdeckung
Ein verheerendes Erdbeben im Jahr 749 n. Chr. legte weite Teile der Stadt in Trümmer. Erst 1806 machte ein deutscher Reisender die Ruinen bekannt; systematische Ausgrabungen begannen ab 1925. Dass die Gebäude heute so beeindruckend und lesbar aufragen, ist das Ergebnis sorgfältiger Restaurierungsarbeiten der letzten sieben Jahrzehnte.
Der Hadrianbogen: Das südliche Stadttor
Der Hadrianbogen am südlichen Eingang der Anlage ist ein Triumphbogen, der im Jahr 129 n. Chr. zu Ehren des Besuchs von Kaiser Hadrian errichtet wurde. Mit einer Höhe von 21 Metern ist er meist die erste Station der Besucher, da der Zugang vom Parkplatz direkt über dieses Tor führt. Unmittelbar nördlich des Bogens erstreckt sich der Hippodrom, eine 245 Meter lange und 52 Meter breite Arena mit einer Kapazität von 15.000 Zuschauern, deren Bau Mitte des 2. Jahrhunderts begann und zu Beginn des 3. Jahrhunderts abgeschlossen wurde.
Der Ovaler Platz: Das Markenzeichen römischer Stadtplanung
Der Ovaler Platz ist der meistfotografierte Ort in Jerash und eine außergewöhnliche Lösung im römischen Städtebau. Die Fläche von etwa 90 x 80 Metern ist von einem breiten Gehweg und einer Kolonnade mit ionischen Kapitellen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. umgeben, die mehr als fünfzig Säulen umfasst. Als zentraler Versammlungsort der Stadt bildet der Platz den architektonischen Übergang zwischen dem Hang des Zeus-Tempels im Süden und der Hauptstraße im Norden.
Cardo Maximus: Das 800 Meter lange Rückgrat der Stadt
Der Cardo Maximus ist die säulengesäumte Hauptstraße, die sich über 800 Meter vom Nordtor bis zum Ovalen Platz erstreckt. Die originalen Pflastersteine sind noch vorhanden; an vielen Stellen kann man die tiefen Spuren antiker Wagenräder erkennen. Entlang der Straße reihen sich ehemalige Ladenzeilen, Brunnenanlagen und Kreuzungen zu den Nebenstraßen aneinander. Ein langsamer Spaziergang entlang dieser Achse ist das Herzstück jeder Tour im Rahmen der Kulturtouren durch die antike Stadt Jerash.
Das nördliche Tetrapylon und die Kreuzungen
Der Cardo kreuzt die Ost-West-Achse (den nördlichen Decumanus) am nördlichen Tetrapylon. Dieses monumentale, vierseitige Tor aus den Jahren 165–170 n. Chr. diente in römischen Städten dazu, die wichtigsten Knotenpunkte der Hauptstraßen hervorzuheben. Von hier aus gelangt man direkt zum Nordtheater.
Übersicht der römischen Bauwerke in Jerash
| Bauwerk | Bauzeit | Besonderheiten / Maße |
|---|---|---|
| Hadrianbogen | 129 n. Chr. | 21 Meter Höhe |
| Hippodrom | 2.–3. Jh. n. Chr. | 245 x 52 Meter, 15.000 Plätze |
| Ovaler Platz | Säulen 1. Jh. n. Chr. | ca. 90 x 80 Meter |
| Cardo Maximus | Römische Zeit | 800 Meter Länge |
| Südtheater | 90–92 n. Chr. | über 3.000 Zuschauer |
| Nordtheater | 165 n. Chr. (erweitert 235) | 1.600 Zuschauer |
| Nymphaeum | 191 n. Chr. | Monumentaler Prachtbrunnen |
Das Südtheater
Das zwischen 90 und 92 n. Chr. unter Kaiser Domitian erbaut Südtheater bot Platz für mehr als 3.000 Zuschauer. Die prächtige, zweistöckige Bühnenkonstruktion wurde im ersten Stock teilweise rekonstruiert, und die Anlage wird heute noch für Aufführungen genutzt. Die Akustik ist phänomenal: Wer in der Mitte der Orchestra steht, kann ohne Verstärkung in jeder Reihe gehört werden. Griechische Buchstaben, die reservierte Plätze markierten, sind teilweise noch im Stein lesbar.
Das Nordtheater
Das im Jahr 165 n. Chr. errichtete Nordtheater verfügte ursprünglich über 14 Sitzreihen und diente neben Vorführungen auch als Versammlungsort für den Stadtrat. Im Jahr 235 n. Chr. wurde es erweitert, um 1.600 Personen Platz zu bieten. Im 5. Jahrhundert verlor es seine Funktion, und viele Steine wurden für andere Bauwerke zweckentfremdet.
Nymphaeum und Artemis-Tempel
Das im Jahr 191 n. Chr. errichtete Nymphaeum ist ein den Wassernymphen gewidmeter Prachtbrunnen, der in römischen Städten für Kühlung und Ästhetik im Straßenbild sorgte. Der Artemis-Tempel aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. gilt als der größte Tempel der Stadt. Über die Treppen gelangt man zur Opferterrasse; von dem heiligen Bezirk sind noch elf Säulen erhalten.
Die Ära nach Rom: Kirchen und das Archäologische Museum
Das römische Skelett der Stadt wurde in der byzantinischen Zeit neu genutzt. Auf den Ruinen des Dionysos-Tempels wurde zu Beginn des 5. Jahrhunderts eine Kathedrale errichtet. Die Marianos-Kirche neben dem Hippodrom entstand um 570 n. Chr. unter Bischof Marianos. Das Archäologische Museum von Jerash, das 1923 in einem Gewölbe des Artemis-Tempels begann, zog 1985 in ein ehemaliges Wohngebäude um. Die Sammlung zeigt Fundstücke vom Neolithikum bis zur Mamluken-Zeit.
Besucherinformationen: Zeiten, Preise und Dauer
| Saison | Öffnungszeiten |
|---|---|
| Sommer | 08:00 – 18:30 Uhr |
| Winter (Nov–März) | 08:00 – 16:00 Uhr |
| April und Mai | 08:00 – 17:30 Uhr |
| Ramadan | 08:30 – 18:00 Uhr |
Die Schließzeiten können variieren; an Freitagen und Feiertagen wird oft früher geschlossen. Bitte prüfen Sie dies vor Ihrem Besuch. Weitere Tipps für Ihren Aufenthalt:
- Eintritt für ausländische Besucher (Sommer 2026): 12 JOD. Inhaber des Jordan Pass zahlen keinen Eintritt vor Ort.
- Die Besichtigung dauert etwa 2–3 Stunden. In den heißen Monaten empfehlen wir die frühen Morgenstunden, da der Cardo kaum Schatten bietet.
- Der Freitag ist der besucherstärkste Tag. Unter der Woche haben Sie bessere Chancen auf Fotos ohne Menschenmengen.
- Hut, ausreichend Wasser und rutschfestes Schuhwerk sind essenziell, da die antiken Pflastersteine glatt und uneben sind.
- Ende Juli bis Anfang August findet das Jerash Kultur- und Kunstfestival statt, bei dem oft Programme in den Theatern laufen.
Anreise und Transport
Die Anreise nach Jerash aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern erfolgt in der Regel über Amman.
- Flug von Frankfurt, München oder anderen Drehkreuzen zum Queen Alia International Airport in Amman.
- Transfer ins Stadtzentrum von Amman; wählen Sie eine Unterkunft im Norden der Stadt, um den Weg zu verkürzen.
- Fahrt zum Busbahnhof Tabarbour im Norden (ca. 30 Minuten mit dem Taxi aus dem Zentrum).
- Nehmen Sie einen Bus nach Jerash. Das Ticket kostet etwa 1 JOD, die Fahrt dauert ca. 45 Minuten.
- Steigen Sie beim Hadrianbogen aus, der auf der linken Seite erscheint, wenn Sie aus Richtung Amman kommen. So beginnen Sie Ihren Besuch am Südportal.
- Für Reisende mit wenig Zeit bieten sich Kulturtour nach Jerash mit Rückkehr am selben Tag ab Amman an, um an einem Tag zurückzukehren.
Wer die Geschichte detailliert erleben möchte, sollte die Stadtrundgang durch die antike Stadt Jerash wählen, die den Hadrianbogen und den Cardo in eine chronologische Erzählung einbetten.
Häufig gestellte Fragen 6
Wo liegt die antike Stadt Jerash?
Jerash liegt im Norden Jordaniens, etwa 45 Kilometer nördlich der Hauptstadt Amman. Der südliche Eingang der archäologischen Stätte befindet sich direkt am Hadrianbogen.
Wann und warum wurde der Hadrianbogen errichtet?
Er wurde im Jahr 129 n. Chr. als Triumphbogen erbaut, um die Ankunft von Kaiser Hadrian in Gerasa zu feiern. Er ist 21 Meter hoch und markiert den südlichen Zugang zur Stadt.
Wie groß ist der Ovaler Platz und wie ist er gestaltet?
Der Platz misst etwa 90 x 80 Meter. Er ist von einem breiten Gehweg und einer Kolonnade mit ionischen Kapiteln aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. umgeben, die mehr als fünfzig Säulen umfasst.
Wie lang ist der Cardo Maximus und wo verläuft er?
Der Cardo Maximus erstreckt sich über 800 Meter vom Nordtor bis zum Ovalen Platz. Die originalen Pflastersteine mit Spuren antiker Wagenräder sind teilweise noch sichtbar.
Wie lange dauert die Besichtigung der römischen Bauwerke in Jerash?
Für den Hadrianbogen, den Ovalen Platz, den Cardo und die beiden Theater sollten Sie etwa 2–3 Stunden einplanen. Ein Besuch des Archäologischen Museums verlängert die Zeit.
Wie lange dauert die Fahrt mit dem Bus von Amman nach Jerash?
Vom Busbahnhof Tabarbour im Norden Ammans aus fahren Busse nach Jerash. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten und kostet ca. 1 JOD.